Sechs generationen von handwerkern
Alfred de Dreux (1810–1860) Duc attelé, groom à l’attente Sammlung Emile Hermès
@ Guy Lucas de Peslouan
Porträt von Thierry Hermès (1801–1878), Gründer von Hermès
© Santiago et Rottier
1880
Hermès in der 24 Rue du Faubourg Saint-Honoré im Jahr 1880
© Rechte vorbehalten
1922
In der Zwischenkriegszeit wandelt sich der Lebensstil und das Unternehmen schlägt unter der Leitung von Émile Hermès, Charles-Émiles Sohn, den Weg der Innovation ein. Hermès bietet nun gesellschaftstaugliche Artikel an, deren Bandbreite von Sattlerkunst über Pferdegeschirr bis hin zu Kleinlederwaren reicht. Mit einer ganz einfachen Idee gibt Émile Hermès dem Familienunternehmen eine entscheidende Wendung. Auf einer Reise nach Kanada fasziniert ihn das Öffnungs- und Schließsystem, das er am Verdeck eines Militärwagens entdeckt: ein amerikanischer „Universalverschluss“. 1922 unterschreibt er einen Exklusivvertrag für dieses System, das heute unter der Bezeichnung Reißverschluss bekannt ist, und integriert es in zahlreiche Reisetaschen des Hauses.
Im Laufe seines Lebens sammelt Émile Hermès mit Begeisterung unzählige Werke, Bücher, Objekte und Kuriositäten. Die Sammlung wird durch seine Nachfolger ständig erweitert und bleibt eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für die Kreationen des Hauses.
Émile Hermès umringt von seinen vier Töchtern
© Julie Hermès
1925
Émile Hermès ist stolz auf seine Wurzeln und zugleich begeistert von den Entwicklungen der Zeit: Unter seinem Einfluss halten neue Metiers Einzug ins Unternehmen. 1925 entsteht das erste Kleidungsstück für Herren, eine Golfjacke. Zur Ergänzung des Looks führt Hermès kurze Zeit später im Jahr 1927 Schmuck ein und 1928 schließlich Uhren und Sandalen.
Werbung für Golf-Artikel, 1929
© Draeger
1937
Mit Jeu des omnibus et dames blanches wird das weltberühmte Seidencarré geboren – es ist das erste Modell einer langen Reihe.
1949
Werbung für Krawatten, 1962
© Draeger
1951
Émile Hermès, der vier Töchter hat, übergibt die Unternehmensleitung in die Hände seiner Schwiegersöhne. Einer von ihnen ist Robert Dumas, der 1951 die Nachfolge seines Schwiegervaters an der Spitze des Unternehmens antritt. Ihm hat Hermès bereits bemerkenswerte Verkaufserfolge zu verdanken, darunter das erste Seidencarré, die zukünftige Kelly Bag und das Armband Chaîne d’ancre, das er zeichnet, als er in der Normandie verankerte Schiffe betrachtet.
Robert Dumas auf der Terrasse des Stammhauses in der 24 Rue du Faubourg Saint-Honoré, 1975
© Eva Rokos
1956
Die Geschichte dieser Handtasche, die Robert Dumas in den 1930er-Jahren entwarf, nimmt 1956 eine neue Wendung, als ein Foto von Grace Kelly mit dieser Tasche um die Welt geht. Dies markiert den Beginn einer veritablen Erfolgsgeschichte. Der Fürstin zu Ehren wird die Tasche auf den Namen Kelly getauft.
© Elisa Valenzuela
1960
Seit Anfang der 1960er-Jahre arbeitet Leïla Menchari, Absolventin der Kunsthochschule für bildende Künste in Tunis und der École des Beaux-Arts in Paris, an der Seite von Annie Beaumel. Sie gestalten die Schaufenster des Geschäfts in der Rue du Faubourg Saint-Honoré. Ab 1978 ist Leïla Menchari alleine für diese kreative Tätigkeit zuständig, die sie auf farbenfrohe und originelle Weise bis 2013 fortführt. Auf sie folgt der Dekorateur und Bühnenbildner für Theater und Film Antoine Platteau. Er ist heute der Mann hinter den Schaufenstern, die er als kleine Schauplätze der Eleganz gestaltet.
Von Leila Menchari gestaltetes Schaufenster in der Rue du Faubourg Saint-Honoré, Herbst 2011
© Guillaume de Laubier
1967
1967 wird die französische Designerin ungarischer Abstammung Catherine de Karolyi mit der Gestaltung der Damengarderobe beauftragt. Bis 1980 entwirft sie die Mode- und Accessoire-Kollektionen. Ihr ist insbesondere die berühmte H-Schließe zu verdanken.
© Jean-Louis Feith
1973
Die Publikation, mehr Logbuch als Magazin, erscheint erstmals 1973 unter dem Titel Die Welt von Hermès, Le Monde d’Hermès in Deutschland. Zwei Jahre später wird sie auch in Frankreich herausgegeben. Heute wird Le Monde d’Hermès in mehr als zehn Sprachen übersetzt und weltweit vertrieben.
1978
Ab 1978 krempelt Jean-Louis, der Sohn von Robert Dumas, Hermès auf behutsame Weise um. Der an allem und vor allem an Kulturen interessierte Visionär nimmt die Diversifikation des Unternehmens vor und macht es überall auf der Welt bekannt. Hermès führt neue Metiers ein, die auf einem einzigartigen Savoir-faire aufbauen – wie 1978 die Uhrmacherkunst unter dem Namen La Montre Hermès. 1976 hält mit dem Unternehmen John Lobb die Schuhmacherei Einzug ins Haus Hermès. Es folgen 1993 die Silberschmiede Puiforcat und 1995 die Kristallglasmanufaktur Cristallerie Saint-Louis.
© Sacha van Dorssen
1984
Die Birkin Bag entsteht aus einer Zufallsbegegnung: Jean-Louis Dumas trifft auf einem Flug von Paris nach London die Künstlerin Jane Birkin und zeichnet für sie die perfekte Handtasche. Sie ist groß, elegant und tragbar am Tag wie in der Nacht – es ist die Geburtsstunde Birkin Bag.
© Elisa Valenzuela
1987
Der 150. Geburtstag von Hermès wird in Paris mit einem unvergesslichen Feuerwerk auf der Brücke Pont-Neuf gefeiert. Dieser feierliche Moment wird in einem Thema festgehalten – das erste einer langen Reihe. Seither wird Jahr für Jahr ein neues Thema auserkoren, das sämtlichen Kreationen des Hauses als Inspirationsquelle dient.
Carré aus Seidentwill, Feuerwerke gezeichnet von Michel Duchêne anlässlich des 150-jährigen Jubiläums von Hermès
1992
Die Lederwerkstätten ziehen vom ersten Stock in der Rue du Faubourg Saint-Honoré Nummer 24 nach Pantin, einen Vorort von Paris. Die neuen Arbeitsräume der Handwerkskünstler sprechen eine klare Formensprache und sind geräumig. 2013 wird der Standort um das Großprojekt Cité des Métiers erweitert. Es umfasst mehrere Gebäude, die durch fünf Themengärten miteinander verbunden sind. Das Projekt der Agentur RDAI wird 2014 mit dem höchsten französischen Architekturpreis „Équerre d’argent“ prämiert.
© Alfredo Piola
2000
Unter Jean-Louis Dumas expandiert Hermès weltweit und eröffnet zahlreiche Geschäfte, welche die Markenidentität der einstigen Sattlerei subtil mit der regionalen Kultur verbinden. So werden im Ausland die Flagship-Stores „Maisons Hermès“ eröffnet: im Jahr 2000 in der Madison Avenue in New York (USA), 2001 in Tokio (Japan) im Stadtteil Ginza – in einem Gebäude aus Glasbausteinen, das von Renzo Piano entworfen wurde – und 2006 in Seoul (Korea) im Dosan Park. 2002 steigt Hermès mit einer Website in den USA in den Onlinehandel ein, Frankreich folgt drei Jahre später.
© Dolorès Marat
2005
Pierre-Alexis Dumas, der Sohn von Jean-Louis Dumas, wird als Familienmitglied der sechsten Generation zum künstlerischen Leiter von Hermès ernannt. Innerhalb der verschiedenen Metiers blüht die Kreativität mehr als je zuvor auf und verbindet Innovation mit Fantasie. Das Haus Hermès baut sein Savoir-faire beständig weiter aus: So wird die Schmucklinie 2010 um die erste Haute-Bijouterie-Kollektion erweitert. Im Folgejahr umfassen die Objekte für das Haus erstmals Möbelstoffe und Tapeten. Hermès Horizons entwirft einzigartige maßgefertigte Objekte und aus einer kühnen Zusammenarbeit mit Apple entsteht ab 2015 die Apple Watch Hermès.
© Marianne Rosenstiehl
2006
Auf Wunsch von Jean-Louis Dumas wird das Unternehmen von seinem ehemaligen engsten Mitarbeiter Patrick Thomas, dem Geschäftsleiter der Gruppe zwischen 2003 und 2006, weitergeführt. Dieser führt eine dezentrale strategische Organisation der Metiers und strukturiert die weltweite Präsenz von Hermès nach geografischen Regionen um. Patrick Thomas leitet Hermès auch während der Übergangsphase in der Zeit des Generationswechsels bis zu seiner Ablösung 2013 durch Axel Dumas, Neffe von Jean-Louis Dumas.
© Studio des fleurs
2008
Auf Initiative von Pierre-Alexis Dumas setzt das Unternehmen mit der Gründung der Hermès-Unternehmensstiftung „Fondation d’entreprise Hermès“ neue Impulse für sein Mäzenatentum und sein philanthropisches Engagement. Im Einklang mit den traditionellen humanistischen und handwerklichen Werten des Familienunternehmens ist die Stiftung hauptsächlich in den Bereichen des kreativen Schaffens, der Weitergabe von Savoir-faire, des Umweltschutzes und der Solidarität über eigene Förderprogramme sowohl in Frankreich als auch im Ausland tätig. Sämtliche Aktionen der Stiftung werden in aller ihrer Vielfalt von einer gemeinsamen Überzeugung geleitet: Wir sind das, was unsere Gesten aus uns machen.
2010
Die petit-h-Werkstatt wird unter der Leitung von Pascale Mussard, der Nichte von Jean-Louis Dumas, gegründet. Sie verfolgt den innerhalb des Unternehmens einzigartigen Ansatz einer Rückwärtskreation. Aus den Materialresten, die in den Hermès-Manufakturen nicht mehr benötigt werden, lassen die Handwerker und Designer ihrer Fantasie freien Lauf. Dabei entstehen einzigartige, ungewöhnliche Objekte, die auf dem einzigartigen Savoir-faire des Hauses aufbauen.
2013
Axel Dumas, der Neffe von Jean-Louis Dumas, der ab 2013 die Gruppe leitet, stärkt mit der Einweihung der fünften Maison Hermès in Schanghai sowie mit der Kreation zahlreicher Geschäfte rund um den Globus die Wachstumsdynamik der Gruppe. 2019 erschließt Hermès ein neues Land: Polen. Die Warschauer Boutique wird eröffnet. Axel Dumas unterstützt zudem die Digitalisierung der Gruppe, die 2017 in die Neugestaltung der Website hermes.com mündet. Er sorgt dafür, dass Hermès im Einklang mit den neuesten technologischen Entwicklungen agiert, um den Anforderungen der immer vernetzter werdenden Kunden gerecht zu werden. Unter seiner Leitung beschleunigt sich die Integration der hauseigenen Kanäle in ein Omni-Channel-Konzept.
© Agence World Red Eye Photography
2018
Mit diesem Beschluss des wissenschaftlichen Rats des Börsenbetreibers Euronext besiegelt das Unternehmen seine positive industrielle Entwicklung und seinen Börsenparcours. Dies beweist, wie stark der „Unternehmergeist“ ist, der sich zum einem handwerklichen Wachstumsmodell entwickelt hat. Mit einer familiären Aktionärsstruktur, die den Großteil seiner Produkte in Frankreich fertigt und das Savoir-faire im Dienst der Kreativität fortleben lässt, bekräftigt Hermès weiterhin seine Unabhängigkeit.
Artillerist auf der Terrasse des Stammhauses in der 24 Rue du Faubourg Saint-Honoré
© Quentin Bertoux
2020
Das Haus präsentiert sein 16. Metier, Hermès Beauté, und lanciert seine erste Lippenstiftkollektion: Rouge Hermès. Hermès Beauté ist das Ergebnis einer fünf Jahre zuvor begonnenen Design-, Forschungs- und Entwicklungsarbeit, die vom Streben nach Exzellenz geprägt ist und das ganze Savoir-faire des Hauses einbindet. Hermès Beauté verbindet hohe Qualitätsanforderungen mit Nachhaltigkeit und Ästhetik.
© Jack Davison