Auf der Seidenstraße von Hermès : der Druck | Hermes

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Auf der Seidenstraße von Hermès : der Druck

Hermès wird in den 1960er-Jahren zum wichtigsten Kunden von Ateliers AS und 1987 Hauptaktionär des Unternehmens. Mit seinen einzigartigen Produktionsmitteln ist diese Textildruckerei in Pierre-Bénite mehr als nur eine obligatorische Zwischenstation für das Carré. Seit 1948 herrschen die Handwerker über die Farben: Sie kombinieren sie, bereiten sie zu und tragen sie schließlich im Flachfilmdruckverfahren auf lange Grègeseidenrollen auf.
In drei oder vier Jahren soll im Rahmen eines großen Investitionsprojekts am Standort Pierre-Bénite die fünfte Drucklinie der Ateliers AS eingeweiht werden.
Ziel ist es, die Produktionskapazität und Mitarbeiterzahl der Holding Textile Hermès zu erhöhen sowie den Know-how-Transfer und Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet der Bedruckung, Veredelung und Fertigstellung an diesem ein Dutzend Kilometer von Lyon entfernten Standort zu fördern. Eine gute Gelegenheit für die 1937 gegründete Druckerei, die nunmehr über 200 Mitarbeiter zählt, richtig durchzustarten.
Seit 1948, als Émile Hermès und sein Schwiegersohn Robert Dumas die sog. Lyoner Drucktechnik – den Flachfilmdruck – entdeckten, die vom Chemiker Auguste Arnaud und dem Koloristen Aimé Savy in Zusammenarbeit mit dem Gravurspezialisten Marcel Gandit entwickelt wurde, ist das Seidencarré der Druckerei treu geblieben. So entwickelt sich Hermès in den 1960er-Jahren zum wichtigsten Kunden der Lyoner Druckerei, während das Carré ein immer größeres Renommee genießt.
Seinen Erfolgszug rund um die Welt in einer Vielzahl an Farben und Größen hat das Carré nicht zuletzt dem Savoir-faire der Ateliers AS zu verdanken. Wenn es darum geht, den Traum eines Zeichners in einer neuen farblichen Dimension umzusetzen, scheut das 5-köpfige Koloristenteam vor nichts zurück – einzig Vorlage und Sinn der Zeichnung müssen treu wiedergegeben werden. So auch beim Carré Animapolis der Frühjahr-Sommer-Kollektion 2019, für welches Gandit den Druck von 39 Farben vorgesehen hat.
Wie bei allen Motiven wurden etwa fünfzehn zum Stil der Saison passende Farbpaletten erstellt, von denen nach einem halben Jahr Entwicklungszeit schließlich knapp zehn ausgewählt wurden.
Dass ein blauer Leopard, der die Mauern des Moskauer Kremls entlangschleicht, oder ein pinkfarbener Drachen, der um den Warschauer Palast für Kultur und Wissenschaft herumstreift, die Gunst der künstlerischen Leitung gewann, mag niemanden wirklich verwundern. Mit den Konventionen zu brechen ist schließlich ein Markenzeichen des Carrés.
Die erstaunlichen Farbpaletten werden in der sog. „Farbenküche“ hergestellt. Hier werden Tausende von Hausrezepten auf Basis von Pigmenten und Guarkernmehl realisiert, bevor es „zu Tisch“ geht. Die mit einer Länge von 150 Metern weltweit einzigartigen Tische passen gewiss nicht in jedes Esszimmer. Sie sind speziell dazu geschaffen, genügend Platz zum Auflegen und Ausrollen großer Seidentwill-Rollen zu bieten.
Anschließend werden dann nacheinander so viele Flachfilmdruckrahmen, wie Farben gedruckt werden müssen, aufgelegt. In der Halle findet dann ein regelrechter Staffellauf statt: Alle 40 Meter übernimmt ein Handwerker die Kontrolle, er steuert die Farbe, reguliert die Geschwindigkeit und überprüft, ob die Druckmarken eingehalten werden.
Aus den verschiedenen Durchläufen entsteht eine Reihe von leuchtenden Carrés, die im Gänsemarsch gedruckt werden. Nach der Dampffixierung, dem Waschen, Spülen und Trocknen sind die edlen Stücke schließlich fertig. So wird dieses einzigartige Savoir-faire mithilfe von Produktionsmitteln weitergegeben, die ständig durch Innovationen verbessert werden, um der Kreativität der künstlerischen Leitung von Hermès gewachsen zu sein.
"Es dauert drei Jahre, bis ein Handwerker die Technik beherrscht. Die ersten zwei Jahre sind der Schulung an der Seite eines Tutors gewidmet."
Magali Marmonnier, Werkmeisterin bei Ateliers AS in Pierre-Bénite

 

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